Germany (german)

Beschreibung der Fallstudie

Beteiligte Städte: Ulm in Baden-Württemberg und Neu-Ulm in Bayern
Betroffene Bevölkerung: 6033 Einwohner
Letzte Hochwasserereignisse: 1999, 2002

 

Die benachbarten Städte Ulm und Neu-Ulm liegen jeweils an gegenüberliegenden Seiten der Iller, welche die Verwaltungsgrenze zwischen den südlichsten deutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern bildet. Beide Städte befinden sich am Oberlauf des Flusses, da die Iller auf Höhe von Neu-Ulm kurz vor der Stadt Ulm in die Donau mündet. Dementsprechend sind beide Flüsse hauptsächlich von Hochwasserrisiken der Iller betroffen. Dies wurde mit dem starken Hochwasser, der Whitsun-Flut, 1999 deutlich, als fast ein Drittel des Stadtzentrums Neu-Ulms sowie Teile der Altstadt Ulms überflutet wurden. Im Jahr 2002 wurde Ulm wieder von einem Hochwasser getroffen, welches jedoch ein geringeres Ausmaß als das vorherige Hochwasser hatte. Darüber hinaus waren beide Städte im Juni 2016 – wenn auch nicht stark – von Starkregenereignissen betroffen. Aufgrund des starken Hochwassers 1999 wurden in beiden Städten Hochwasserschutzmaßnahmen installiert, die in Neu-Ulm 2008 und in Ulm 2006 fertiggestellt wurden. Die umfangreiche Infrastruktur für technischen Hochwasserschutz in Kombination mit der langen Zeitspanne seit dem letzten starken Hochwasser hat zu einem ausgeprägtem Sicherheitsgefühl gegenüber Hochwasserrisiko geführt.

Kapazitätsbewertung

Das starke Hochwasser von 1999 scheint von den Bürger_innen und zivilgesellschaftlichen Akteur_innen beider Städte fast in Vergessenheit geraten zu sein. Dies drückt sich durch ein geringes Hochwasserrisikobewusstsein, eine geringe Motivation sich in für Hochwasservorsorge einzusetzen und entsprechend fehlende Netzwerke aus. Darüber hinaus scheint lokales Wissen über vergangene Hochwasserereignisse unter den Bürger_innen kaum vorhanden zu sein. Die Motivation sich einzubringen wird zudem durch den hohen technischen Standard der Hochwasserschutzvorrichtungen gemindert. Diese führen zu einem Sicherheitsgefühl unter Bürger_innen und kommunalen Akteur_innen und einer mangelnden Wahrnehmung verbleibender Risiken. Während nach offiziellen Aussagen die Hochwasserschutzinfrastruktur in Neu-Ulm auf HQ100 Hochwasser (Hochwasserereignisse, die statistisch einmal in 100 Jahren auftreten) ausgelegt ist, sind die Hochwasserschutzmaßnahmen Ulms für HQ 200 Hochwasser konstruiert. Zudem besteht in Ulm ein großer Anteil an privatversicherten Häusern – innerhalb des gesamten Bundeslandes Baden-Württemberg liegt die Versicherungsrate bei 95%. In Baden-Württemberg existieren Partizipationsforen für Hochwasserrisikomanagement (sogenannte Hochwasserpartnerschaften), die Vertreter aus Kommunen, Vereinen und Verbänden sowie Versicherungsgesellschaften involvieren. Nichtsdestotrotz scheinen diese Foren aufgrund des bestehenden Sicherheitsgefühls keine wichtige Rolle zu spielen.

Pilotmaßnahmen

Auswahl

Da Wissen über und Motivation für Hochwasservorsorge eher gering sind, war die Strategie hinsichtlich der Planung und Durchführung von Partizipations- und Pilotmaßnahmen von Anfang an auf die Verknüpfung von Nachhaltigkeitsthemen und der Iller im Allgemeinen ausgerichtet. Aus diesem Grund wurden in einem Stakeholder-Auswahlprozess Vertreter_innen wichtiger lokaler Gruppen, die mit Hochwasserschutz und Nachhaltigkeit im Allgemeinen in Berührung stehen, identifiziert. In zwei Workshops in Neu-Ulm und Ulm wurden Kapazitätsbewertung und mögliche Pilotmaßnahmen vorgestellt und diskutiert. Zusätzlich füllten die Teilnehmer_innen des Workshops Fragenbögen zu ihrer persönlichen Wahrnehmung aus. Dieser Fragebogen wurde ebenso an die Stakeholder versandt, die nicht am Treffen teilnehmen konnten. Übereinstimmend mit den Ergebnissen der Kapazitätsbewertung wurde deutlich, dass der Hauptfokus auf die Verbreitung und Entwicklung von Wissen gelegt werden müssen.

Beschreibung

Die Hauptpilotmaßnahme und das Koordinierungsinstrument für alle zusätzlichen Maßnahmen wird in Form einer Website über die Flüsse Iller und Donau entstehen – die Teilnehmer_innen entschieden im Workshop, dass der alleinige Fokus auf die Iller nicht sinnvoll sei, da sich die meisten Personen in Ulm mit der Donau identifizieren. Die Webseite wird Informationen über beide Flüsse, wie Wasserstände oder Renaturierungsmaßnahmen zur Risikoreduzierung kleiner Hochwasserereignisse, bereitstellen. Darüber hinaus werden Aktivitäten und Veranstaltungen auf der Webseite angekündigt werden. Abgesehen von einer Exkursion zum Fluss, die Hochwasserschutzmaßnahmen und allgemeine Informationen zu Hochwasserrisiken darstellt, müssen diese Aktivitäten noch mit lokalen Stakeholder_innen abgestimmt werden.